Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe sind im Segelflug immer wieder ein Problem. Denn eine volle Blase kann mehr als eine Unbehaglichkeit darstellen. |
Es ist der Abschluss des siebten Tages der US-Rennklasse-Meisterschaft '77 in Hobbs, New Mexico. Billy Hill schießt nach fünfeinhalb Stunden als Sieger mit seiner Zuni tief und schnell über die Ziellinie. Weitere Ziellander fallen ein. Dann über Funk die Meldung, dass "7N" es nicht mehr schafft, er muss rund 2 km vor dem Platz außenlanden. Vielleicht war es Müdigkeit - Dehydration kann auch eine Rolle gespielt haben - jedenfalls landet die PIK auf dem Bauch. Der Pilot wird verletzt. Zunächst sieht das alles nach einem wenig spektakulären Unfall aus, das kehrt sich aber sehr schnell um. Die Ärzte stellen eine geplatzte Blase fest.
Die meisten von uns können von Flügen erzählen, deren denkwürdigste Momente darauf zurückgehen, dass zuwenig Flüssigkeit aufgenommen wurde oder es umgekehrt ein Problem war, aufgenommene Flüssigkeit wieder loszuwerden, dass die Blase kurz vor dem Platzen stand. Nimmt man dazu noch die Geschichten leckender Pinkeltüten, gefluteter Cockpits, Tüten, die sich um die Flügelnase gelegt haben, dann wird klar, dass hier in einer Sache ein Informationsdefizit besteht. Die Geschichten sind jedenfalls mehr als bloß ein Anlass zum Schmunzeln.
Hier werden deshalb zwei Systeme vorgestellt, die es Männern wie Frauen erleichtern, natürlichem Druck nachzugeben. Letztlich muss gefährlicher Dehydration durch zu geringes Trinken sowie der Unbehaglichkeit starken Drucks bis hin zur Gefahr einer geplatzten Blase entgegengewirkt werden.
Mit der Zeit wurden Lösungen, sich Erleichterung zu verschaffen, entwickelt - von abzuwerfenden Tüten hin zu Rohrsystemen, die außerbords entleeren. Der einfache Gebrauch, das geringe Risiko von Lecks und Planschereien sowie vor allem die geringe zusätzliche Aufmerksamkeit und damit Ablenkung, die letzteres während des Fluges mit sich bringt, macht den Außenkatheder, der über eine Schlauchleitung den Weg durch den Fahrwerksraum ins Freie schafft, zur besten Lösungen für Piloten.
Als Abflussleitung ist ein rund 6 mm dicker Polyethylenschlauch zu empfehlen. Von der Steifigkeit her ist das fast schon ein Rohr, das sicher ist und sich auch noch verbiegen lässt. Der Schlauch kann unter der Sitzschale bis in den Fahrwerksschacht ans Ende der Fahrwerksklappen verlegt werden. Er macht noch die Bewegungen beim Aus-/Einfahren des Rads mit, ist aber andererseits noch so fest, dass er unter der Sitzschale nicht gequetscht wird, was einen Stau verursachen könnte.
Etwas einfacher wäre es, die Leitung gleich unter der Sitzschale aus dem Rumpfbauch ins Freie zu führen. Nachteil dieser Lösung ist eine größere Korrosionsgefahr, da Fahrwerksteile und Seitenruderaufhängung stärker benetzt werden. Es empfiehlt sich deshalb, etwas Mühe aufzuwenden und das Leitungssystem bis zum hinteren Ende einer Fahrwerksklappe zu führen, so dass austretendes Wasser bei ausgefahrenem Rad den Rumpf nicht mehr benetzen kann. Tests mit gefärbtem Wasser haben gezeigt, dass das System gut funktioniert.
Ein wichtiger Baustein in dem System ist ein T-Stück zwischen Urinal und Abflussrohr, das einen Zugang zum Ausblasen des Systems ermöglicht. Über diesen zusätzlichen Anschluss, der normalerweise abgeklemmt wird, kann nach dem Gebrauch durch Ausblasen ein Zufrieren beziehungsweise Verschmutzen des Hängers vermieden werden.
Die Katheder gibt es im Handel für medizinische Hilfsmittel. Sie ähneln einem Kondom, das mit einer Abflussleitung versehen ist. Diese kann mit dem Bordsystem verbunden werden. Sie werden vor dem Flug angelegt und nach dem Einsteigen ans Bordsystem angekoppelt. Mit einem Klebeband kann eine auch unter Druck dichte Verbindung hergestellt werden.
Für Frauen ergeben sich natürlich andere Fragestellungen. Hier wurden gute Erfahrungen mit Spezialbinden gemacht. Sie sind in jedem Fall den Alternativen vorzuziehen, schon länger vor einem Flug nichts mehr zu trinken (Dehydration), Flüge abzubrechen oder die Unbehaglichkeiten und die Gefahren einer zum Platzen vollen Blase zu ertragen. Binden haben sogar einen Vorteil, für sie braucht das Flugzeug nicht modifiziert zu werden.
Es gibt sehr aufnahmefähige Binden ("Serentity feminine bladder control pads" von Johnson and Johnson). Ihr Geheimnis der "Abdichtung" liegt in der Verwendung von Quellstoffen, die Flüssigkeit sehr schnell aufsaugen und "gelieren" lassen. Die körperabgewandte Seite dieser Binde ist mit einer wasserdichten Folie bezogen.
In der Praxis ergibt sich speziell für Erstnutzerinnen schon eine Ablenkung bei der Handhabung. Ein Pulk ist also kein guter Ort, um die Binden zum erstenmal auszuprobieren. Die Gurte müssen gelockert werden, und auch die Kleidung muss einen leichten Zugang ermöglichen. Die Binden dürfen bei der Nutzung jedenfalls nicht gequetscht werden, da sie sonst in ihrer Aufnahmefähigkeit eingeschränkt sind. Es ist deshalb gut, die ganze Sache überhaupt erst einmal am Boden auszutesten und sich zu überlegen, wo die gebrauchten Binden entsorgt werden können.
Obwohl die Binden eine ganze Blasenfüllung aufnehmen können, ist es wenig sinnvoll, sie bei geringfügigem Gebrauch mehrfach zu nutzen.
Für Pilotinnen gibt es neben diesen speziellen Binden eine alternative Technik, sich Entlastung zu verschaffen. Schon im aerokurier 3/1994 wurde das von Roland Schmitt (Diepeschrather Straße 6a, 51069 Köln) für seine Frau entwickelte spezielle Damenurinal mit elektrischer Absaugpumpe vorgestellt. Das System besteht aus einer körperangepassten Urinalmaske, einem PVC-Auffangbehälter und einer 12-V-Vakuumpumpe, die ans Bordnetz angeschlossen wird.
Karl und Iris Striedieck
Doch ein paar eigene Erfahrungen:
Die von DG angebotene Notdurftröhre ist ein steifer PVC-Schlauch, auf den als Trichter ein aufgeschnittener Tennisball oder - zu besorgen aus dem Laborhandel - ein entsprechender Gummiball geschoben werden kann. Das Ganze ist sehr funktionell und sieht im Cockpit verheerend aus.....
Ein Pilot schrieb: |
Diese Art der Konstruktion kann aber auch bei eingezogenem Fahrwerk nicht verhindern, dass sich ein feiner Sprühnebel auf das Spornrad legt und dort Flugrost und nach einigen Jahren Schwergängigkeit der Lager verursacht. Gut ist das nicht!
Wir haben gerade bei einer drei Jahre alten Maschine die ganze Spornradsteuerung erneuern müssen, weil alles zerfressen war.

Ich selbst benutze seit Jahren problemlos einen "Reichweitenverlängerer", eine speziell geformte Plastikflasche, wie man sie im Luftfahrtbedarfshandel bekommt (sportys pilot shop, Siebert, Friebe und ähnliche Läden).
Sie liegt - wenn sie leer ist - in der Sauerstoffröhre oder steht - wenn diese mit einer Flasche belegt ist - aufrecht hinter meinem Rücken. Dort findet sie auch in vollem Zustand Platz und bisher war sie immer völlig dicht.
Ein Trick dabei ist eine steife Plastikschnur, wie sie als Wäscheleine verkauft wird, die um den Hals der Flasche geknotet ist. Wenn die Flasche in der Sauerstoffröhre liegt, kann ich im Flug die Schnur leicht ertasten und die Flasche problemlos heraus ziehen.
Ein Päckchen Papiertaschentücher in der Seitentasche vervollständigt die Ausrüstung.
Und noch ein Hinweis:
Wenn Sie sehr hoch ohne Sauerstoff fliegen - oberhalb 3.500 Metern - lassen Sie das Pinkeln besser sein! Ich habe es mal in 3.800 m gemacht und hatte solchen Luftmangel durch die unvermeidlichen Bewegungen, dass ich das nie wieder tun werde!
Sehr geehrter Herr Weber
" Pinkeln"
Ja das ist sicher ein Problem, ich habe es so gelöst, dass ich die Schwerpunktklinke mit einem Konservierungsspray behandelt habe und dann von außen zugeklebt habe, wir brauchen die Klinke ja gar nicht, und zudem das Heckrad mit den Mechanismen auch mit dem Konservierungsspray gehandelt habe. So habe ich über die Saison keine Probleme und alles ist Ende Saison noch in bestem Zustand. Es setzt natürlich eine jährliche Behandlung dann jeweils voraus.
Ich hoffe, einen Tipp gegeben zu haben.
Mit Fliegergruß
Wolfgang Rapp
"Quer-Pinkeln"
Uli Schwenk ist nicht nur ein bekannter Wettbewerbspilot sondern betreibt auch einen Mode-Fachgeschäft, in dem es nicht nur schöne Segelflieger-Krawatten und Schürzen zum Aufbauen eines Flugzeugs gibt. Sein neuestes Angebot für Segelflieger ist eine Unterhose mit Quereingriff, die das "Unvermeidliche" erleichtern soll.
Wer es ausprobieren will - hier ist die Adresse:
info(at)schwenk-mode.de
Geschäftsführer:
Dieter & Uli Schwenk
Tel. 0738193870
Fax 07381938740

Was probiere ich nicht alles aus "für den Segelflugsport"?
Also: Mit dieser Unterhosenkonstruktion geht der ganze Vorgang tatsächlich einfacher und schneller. Hier hat offensichtlich ein Wettbewerbsflieger bei der Konstruktion eines Bekleidungsstückes Pate gestanden.
Das hat mit dem Thema rein gar nichts zu tun aber mit dem Lieferanten der oben beschriebenen Hose:
Uli Schwenk bietet auch eine Schürze mit Segelflugmotiv an, um die Kleidung vor den berühmten runden Schmierflecken durch das Auf- und Abbauen zu schützen.
Die Schürze kostet 10 Euro.
Zweimal Hosen reinigen ist schon teurer!
Für das Wasserlassen während längeren Flügen verwende ich seit etwa drei Jahren Kondomurinale. Das sind sind kleine Gummihülsen, die über den Penis gestülpt werden. Am unteren Ende der Kondomurinale befindet sich der Abflussstutzen, der mit dem Abflussschlauch verbunden wird. Eine sichere Ableitung des Harns ist somit gewährleistet. Die Fixierung der Urinale erfolgt durch einen Haftstreifen, der an der Peniswurzel angebracht wird. Alternativ dazu gibt es auch selbsthaftende Urinale.
Diese Lösung ist optimal, weil bei Harndrang ohne weiteres Dazutun "laufen gelassen" werden kann. Was für ein sicheres Gefühl, wenn während des Fluges fröhlich getrunken werden kann ohne Rücksicht auf unangenehmen Harnstau. Die Kondome stören überhaupt nicht und dass mein Zipperlein vor dem Aussteigen wieder vom Schlauch getrennt werden muss, merke ich jeweils am Zug, welcher auf dieses ausgeübt wird...
Alles Hantieren mit Flaschen und Gummibällen usw. wird dadurch überflüssig. Meines Erachtens die optimale Lösung dieses Problems.
Hier die Adresse eines Herstellers mit interessanten Hinweisen:
Hallo Herr Weber,
ich kann mich die Benutzung von Urinalkondomen ebenfalls nur empfehlen und am ehesten die Selbstklebenden, wegen der einfachen Handhabung und wegen des "Tragekomforts".
Anstelle der "Aussenbordsleitung" arbeite ich mit so genannten "Sekretauffangbeuteln" mit 1-2 Litern Fassungsvermögen, ebenfalls aus dem Apotheken-Fachhandel. Davon lege ich 2 Stück im Bereich der Waden unter das Sitzkissen. Die Schläuche verlege ich über dem Cockpitboden in die Nähe der Verrichtungsstätte. Fixieren konnte ich die Beutel mit den angebrachten Schäuchen. Nach Auffüllen der Beutel und abklemmen der Schläuche habe ich diese doppelt (!) zugeknotet, da ich den mitgelieferten Deckeln mistraue.
Bisher hatte ich damit noch nie Schwierigkeiten, obwohl ich zugebe, dass es mir lieber wäre, wenn der Kram aussenbords geleitet würde.
Grüße von
Gerhard Marx
Verehrter Herr Weber,
im informativen (und sehr wichtigen) "Wasserlass - Artikel" fehlt für die Damen eine wichtige Lösung des Basis-Problems "Anschluss":
Meine Tochter hat zusammen mit einem Modellschreiner ein Urinal aus Silikonkautschuk für die Damen entwickelt, das vor dem Fluge die Vagina eingeführt wird (dauert nur einige Sekunden), und das laut Aussage der Damen nicht störend ist. Somit an die Tüte oder die Direktentleerung angeschlossen, pinkeln die Damen wie die Männer, und müssen somit nicht auf nassen Windeln sitzen.
Das benutzen die Frauen Nationalmannschaft seit Jahren, und auch die ausländische Lady - Konkurrenz.
Pinkeln ist bei den Damen kein Thema mehr!
zu beziehen bei: katrin.sennegmx.de
Ich habe bei meiner DG 800s das Röhrchen soweit möglich aus der Rumpfmitte nach außen geleitet, um die Soße seitlich am Rumpf zerstäuben zu lassen.
Vorteil:
Es geht nichts in das Fahrwerk/Spornrad, und zum anschließenden Rumpfputzen muss man sich nicht allzu tief im Gras wälzen.
viele Grüße, Klaus Keim
Bordtoilette für Fliegerinnen, Urinal für Pilotinnen Keine lästigen Beschwerden mehr beim Fliegen!
System ist schon über 200 mal bei Fliegerinnen im Einsatz und es sind alle zufrieden mit diesem einfachen System.
Die Bordtoilette besteht aus einem Formteil, einem Vakuumventil als Anschlussstück, einem Verlängerungsschlauchstück und 10 Urinbeutel. Die Urinbeutel können in jeder Apotheke nachbestellt werden.
Das Formteil ist aus 100 % weichem Silikon gefertigt und wird vor den Harnauslass gelegt. Nach Gebrauch kann das Formteil mit Seife oder Desinfektionsmittel ausgewaschen werden.
Das Ventilstück wird mit der dickeren Seite in den Urinableiter geschoben und an die dünnere Seite des Ventilstücks wird der Ableitungsschlauch befestigt. Durch das Ventilstück wird ein Unterdruck im Urinbeutel verhindert. An den Ableitungsschlauch wird der Urinbeutel befestigt.
Empfehlenswert ist es zusätzlich noch eine Slippeinlage zu benutzen. Ein paar Tropfen können im Formteil zurück bleiben und dann eventuell auslaufen.
Erhältlich bei: katrin.senne(at)gmx.de