Im Frühjahr 2004 nahm der Prototyp unserer neuen LS10 an den ersten Wettbewerben der 18m Klasse teil. Makoto Ichikawa - genannt "Mac" - hat den Intern. Hockenheim Wettbewerb gleich mit einem ersten Platz beendet und zwar mit 740 Punkten Vorsprung auf den 2. Platz! Nur eine Woche später gewann Holger Back die Blockmeisterschaft Bayreuth 2004 ebenfalls mit der LS10.
Holger schickte kurz darauf eine Mail an unsere Konstruktionsabteilung, um seine Eindrücke festzuhalten und Verbesserungsvorschläge zu machen. Auch wenn diese Mail eigentlich nur "für den Hausgebrauch" sein sollte, möchte ich Ihnen den Inhalt nicht vorenthalten:
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An: Konstruktion, Wilhelm Dirks
betreff: Erfahrungen mit der LS10
von: Holger Back
Hallo zusammen,
als Hilfe für die weitere Entwicklung der LS10, möchte ich euch meine bisherigen Erfahrungen mit dem Flugzeug kundtun.
Insgesamt habe ich nun 60 Flugstunden absolviert, die meisten davon beim Trainingslager der Nationalmannschaft und dem Quali-Wettbewerb in Bayreuth.
Nun - um es auf einen Nenner zu bringen, selten bin ich ein Flugzeug so begeistert geflogen wie die LS10. Der Flieger baut dich auf, er gibt dir
zusätzliches Selbstvertrauen.
Den Grund sehe ich in den ausgewogenen Gesamteigenschaften. Egal in welcher Situation oder bei welchen Bedingungen, das Flugzeug ist immer absolut konkurrenzfähig. Gerade im Wettbewerb mit unterschiedlichem Wetterbedingungen ein unschätzbarer Vorteil.
Die LS10 zeigt keinerlei Schwächen und ist damit wiederum in der Summe aller Eigenschaften den Konkurrenzmodellen überlegen.
Im einzelnen sind hervorzuheben:
- Sehr gute Thermikfühligkeit - man hat nie die Befürchtung an der Thermik vorbei zufliegen
- sehr geringe Verschmutzempfindlichkeit des Tragflügels - Erfahrungen durch langen Flug im Regen
- gute Steigleistungen
- gute Gleitleistungen
- angenehm ist das Startverhalten sowohl im F-Schlepp als auch im Windenstart, kein Aufbäumen, kein zu langes Rollen (wahrscheinlich bedingt durch das größere Rad, ich hoffe dieser Effekt tritt auch bei der LS8 auf)
Noch einige generelle Anmerkungen von meiner Seite, über die ja zum Teil schon gesprochen wurde:
- das derzeitige Leergewicht ist konkurrenzfähig
- die 15m Variante sollte noch nicht verworfen werden
- das Noppenband sitzt an der konservativsten Stelle. Mit Anstrichbilder könnte hier noch weiteres Potential entdeckt werden
- bei den Wölbklappenstellungen sind nach meinen bisherigen Erfahrungen keine größeren Verbesserungen mehr zu erwarten.
Und Kritik? Logisch, aber viel fällt mir dazu nicht ein. Folgendes müsste verbessert werden:
- die Steuerung ist je nach Wölbklappenstellung schwergängig - wahrscheinlich fluchtet die Ruderstange nicht hundertprozentig in die
rumpfseitigen Tüten (Einbaufehler!)
- die Flügelteilung ist an der jetzigen Stelle ok, allerdings muss die fummelige LS-Gewindebefestigung durch einen Bolzen ersetzt werden
- die Radbremse ist nicht immer wirksam
Schon aufgrund der wenigen Kritikpunkte plädiere ich für die Serie möglichst wenig an dem Flugzeug zu verändern. Sonst wird es womöglich
"verschlimmbessert".
Einzig die Flatterei könnte noch größeren Aufwand bedeuten, aber es gilt das "Prinzip Hoffnung".
Gruß
Holger
Hallo Zusammen
Vielen Dank für die wunderbare Möglichkeit, Den LS10 Prototypen während des Hockenheim Wettbewerbs zu fliegen.
Ich fand, dass das Flugzeug sehr gelungen ist sowohl im Steigen als auch im schnellen Vorflug und ganz besonders beim Hochziehen aus hoher Geschwindigkeit. Nach langen Gleitflügen unter Wolkenstraßen war ich regelmäßig beeindruckt, wie wenig Höhe ich verloren hatte.
Weiterhin war ich sehr froh, dass das Flugzeug das bekannte "LS-Feeling" bietet, obwohl der Hauptholm steifer gebaut werden musste für die mögliche Abflugmasse von 600 KG. Vor dem Wettbewerb konnte ich das Flugzeug lediglich 13 Stunden fliegen, doch es fliegt so angenehm, dass mir die Anpassung sehr schnell gelang.
Am Anfang des Wettbewerbs flog ich meist mit etwa 525 KG, um heraus zu finden, ob das Flugzeug einen absoluten Leistungsvorteil bietet oder nur besser wird aufgrund des höheren Gewichtes. Ich denke, dass bereits mit 525 KG die LS10 sehr gut fliegt und die höhere Flächenbelastung noch einen weiteren Vorteil bietet.
Die LS10 war sehr einfach auf- und abzubauen. Die Außenflächen sind länger als bei einer LS8-18 und so ist die LS10 trotz des stärkeren Holms sogar schneller aufzurüsten.
Das Cockpit ist fast das gleiche wie bei der LS8 - außer dem Wölbklappenhebel. Es war sehr komfortabel.
Alles in allem war ich sehr zufrieden mit der LS10; sie fühlte sich an wie ein "typischer LS-Flieger", nur eben mit besserer Leistung!
Ich hoffe, dass die Produktion bald beginnt.
Viele Grüße
Makoto Ichikawa
Übrigens:
Nach den beiden Wettbewerben haben wir die LS10 noch einmal ein wenig "getunt" - Turbulator-Bänder versetzt, das große Kennzeichen etwas eingeschliffen, alles poliert usw.
Dann haben wir mit einem anderen Muster neue Vergleichsflüge gemacht und stellen fest:
....was sich mit der Sieg von Holger bei den Deutschen Meisterschaften 2005 noch einmal deutlich bewahrheitete....
- geschrieben im Herbst 2006 -
In den letzten 3 Jahren habe ich ca. 180 Flugstunden auf der LS10 D-9710, Werk Nr.1 absolviert. Die meisten davon bei Trainingslagern der Nationalmannschaft und den Wettbewerben wie Deutsche Meisterschaft und der Weltmeisterschaft.
Auch nach dieser langen Zeit gilt für mich die gleiche Aussage wie am ersten Tag:
Selten bin ich ein Flugzeug so begeistert geflogen wie die LS10. Der Flieger baut dich auf, er gibt dir zusätzliches Selbstvertrauen, er macht einfach Spaß.
Den Grund sehe ich in den ausgewogenen Gesamtflugeigenschaften. Egal in welcher Situation oder bei welchen Bedingungen - das Flugzeug ist immer absolut konkurrenzfähig. Gerade im Wettbewerb mit unterschiedlichem Wetterbedingungen ein unschätzbarer Vorteil.
Die LS10 zeigt fliegerisch keinerlei Schwächen und ist damit wiederum in der Summe aller Eigenschaften den Konkurrenzmodellen überlegen.
Im Einzelnen sind hervorzuheben:
- typisches „LS-Feeling“
- sehr gute Thermikfühligkeit - man hat nie die Befürchtung an der Thermik vorbei zufliegen
- geringe Verschmutzempfindlichkeit des Tragflügels
- sehr gute Steigleistungen
- gute Gleitleistungen
- angenehm ist das Startverhalten sowohl im F-Schlepp als auch im Windenstart, kein Aufbäumen, kein zu langes Rollen
- gute Landeeigenschaften mit kurzer Landestrecke
Natürlich gibt es auch Kritikpunkte, aber die wollen wir ja in der Serie beseitigen:
1. die Steuerung ist je nach Wölbklappenstellung schwergängig, weil durch einen Einbaufehler bei der Werk Nr.1 die Ruderstange nicht hundertprozentig in die rumpfseitigen Tüten fluchtet.
Bei der Werk Nr.2 ist der Fehler schon korrigiert, und die Serie wird natürlich über eine generell leichtgängige Steuerung verfügen.
2. ein altes LS Problem:
die Wirksamkeit und Dosierung der Radbremse ist nicht ausreichend. Deshalb soll die Betätigung der Radbremse in der Serie über den Bremsklappenhebel erfolgen.
3. Weil die Differenzierung der Querruder nicht ausreichend ist, muss bei niedriger Flächenbelastung zeitweise stark abgestützt werden. Die Seriensteuerung erhält deshalb einige Änderungen im Detail.
back(at)dg-flugzeugbau.de
Holger Back
Hallo Holger,
ich möchte mich nochmals ganz herzlich bei Dir bedanken, dass Du mir in diesem Jahr die Möglichkeit gegeben hast, die LS10 zu testen. Du batest mich, einen Kommentar zu dem Flugzeug zu schreiben. Er ist zwar etwas verspätet, aber hier ist er:
Die LS 10 ist in meinen Augen momentan das Segelflugzeug in der 18m Klasse mit den angenehmsten und ausgewogensten Gesamteigenschaften. Aufgrund seiner Version ohne Motor und folglich einer sehr geringen Flächenbelastung, ist sie gerade bei schwachen Wetter - und davon gibt es im Wettbewerb recht viel - als hervorragend einzuschätzen. Persönlich habe ich das letztes Jahr in Lüsse gesehen, wie Du mehrfach mit der LS10 im Pulk kurz vor dem Endanflug der Konkurrenz weggestiegen bist.
Ich denke, auch bei starkem Wetter sind die Vorteile dieser Maschine zu spüren. Wasser machte die LS8 nur noch besser und ich denke, das wird sich auch in der LS10 widerspiegeln.
Hier meine gefühlten Pluspunkte der LS10:
sensibel in der Thermik, jeder vertikale Luftbewegung wird vom Flugzeug gespürt. Der Pilot hat keine Mühe, die Thermik zu finden
Fluggeschwindigkeit kann aufgrund des weiten Klappenspektrums dem jeweiligen Bedarf stark angepasst werden
Verschmutzung, was ist das? Wie die LS8 so scheint auch dieses Flugzeug keine Mücken zu kennen
Gleitleistung hervorragend. In einem sehr leisen Cockpit werden gute Gleitleistungen erzielt. Ein eigenstabiler Geradeausflug ist gewährleistet
Cockpit ist übersichtlich und funktionell
Das große Rad ist einfach besser für das Handling, für Auslandungen und das Startverhalten
Aufbau ist einfach
Gruß
Hajo
Hallo Friedel,
müsste ich über die Wetterbedingungen bei der DM in Zwickau berichten, so könnte ich nur wenig Positives erzählen.
Ganz anders meine Eindrücke von der "neuen" LS10-st.
Auf den ersten Blick fallen die integrierten Mückenputzer in Alu-Sichtkohle auf.
In Kombination mit der integrierten Solaranlage, den Endscheiben an den Flaperons ebenfalls in Alu-Sichtkohle, der hochwertigen Stoffausstattung stellt die LS10 schon optisch ein High-Tech Segelflugzeug dar.
Erzählt man den Interessierten weitere Technische Details des Fliegers wie das eingebaute NOAH oder das 2-Kammersystem beim Hecktank für generell optimalen Schwerpunkt oder über die nur 335 Kg Leergewicht incl. des kompletten Antriebssystems mit Motor und Tank und allen Zubehörteilen, dann kann man schon an der Reaktion erkennen, dass sich unser Aufwand gelohnt hat.
Beim Fliegen fallen mir im Vergleich zum Prototyp die leichtgängigere Steuerung auf, das nur noch schwach ausgeprägte Abstützen beim Kreisen und der etwas weichere Flügel, ansonsten ist die "Neue" ganz die "Alte" geblieben - also "LS Feeling pur"!
Aufgrund der herrschenden Bedingungen konnte ich auch ausgiebig das Motorsystem testen (ich glaube, ich habe schon mehr Motorlaufzeit wie Segelzeit!). Der Turbo sprang immer sofort an und das gesamte System arbeitet ohne Fehl und Tadel.
Ein paar Kritikpunkte wie die schwergängige Wasserbedienung oder die unterschiedlichen Füllmengen beim Hecktank habe ich schon an die
Konstruktion weitergeleitet. Bei der nächsten LS10, der Werk Nr.4 wird das gerade schon geändert.
Viele Grüße
Holger
(die beiden teilnehmenden LS10-Piloten beendeten die Meisterschaft mit den Plätzen 4 und 5)
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