DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

Die Haube bei DG Flugzeugen

Die Flugzeuge der DG-Baureihen sind bekannt für ihre sehr großen Hauben. Dies führt zum einen zu hervorragenden Sichtverhältnissen und zum anderen zu einer sehr angenehmen Temperaturverteilung bei Flügen in größeren Höhen.

Ich selbst bin verschiedene Male im Frühjahr in Südfrankreich in Höhen zwischen 3.000 und 4.000 Metern geflogen bei Außentemperaturen von -18 Grad C und hatte dabei lediglich einen dünnen Pullover und normale Freizeitschuhe an. Vor vielen Jahren hatte ich mir mal Fußsohlenheizungen gekauft und bis heute niemals benötigt. (Braucht jemand welche? Billig abzugeben! - Pardon, inzwischen haben sie einen Interessenten gefunden!)

Unsere Hauben werden bei Mecaplex gefertigtDiese großen Hauben - in Verbindung mit einem starken Haubenrahmen zur Crash-Sicherheit - sind also absolut positiv mit einer kleinen Einschränkung: Wir haben es relativ häufig mit störenden Reflexionen zu tun. Diese passieren zwar meist im Bereich der Füße, also dort, wo bei anderen Segelflugzeugen längst der Instrumentenpilz die Sicht versperrt. Aber störend kann es doch sein.


Die eine Lösung besteht ganz einfach im Tragen dunkler Kleidung. Ich habe eine schwarze Jeans und dunkle Freizeitschuhe, und das Problem ist gelöst. Ein Kamerad von mir fliegt mit dünnen Balettschuhen (!), was bekanntlich geht wegen der guten Temperaturregelung unter der Haube und natürlich bequem ist wie Pantoffeln.

Besser wäre natürlich eine grundsätzliche Lösung, weshalb wir mit „Mecaplex" in der Schweiz, dem Hersteller der Hauben gesprochen haben. Leider ist eine Entspiegelung wie bei Brillen nicht möglich. So etwas wäre viel zu teuer und ist sehr empfindlich.

 

Mecaplex empfiehlt als Lösung bei Neuflugzeugen die Bestellung einer grün- oder grau-getönten Haube, wodurch die Reflexionen stark zurückgehen. Wilhelm Dirks, unser Chefkonstrukteur, fliegt in seiner eigenen Maschine eine solche Haube, hat keine störenden Reflexionen und ist auch schon problemlos bei nahezu Dunkelheit gelandet. Der Lichtverlust bei trübem Wetter oder gegen Abend ist wohl unproblematisch. Meist ist es im Flugzeug ja sowieso eher zu hell.

 

Wir können aufgrund unserer Erfahrungen getönte Hauben nur dringend empfehlen. Es sind nicht nur die Reflexionen weniger, sondern für das Auge ist der leicht getönte Durchblick wesentlich angenehmer.

Bei dem Gespräch mit Mecaplex haben wir auch nach der Durchlässigkeit der Hauben für UV-Strahlen gefragt. Die Hauben sind nicht ganz UV-dicht! Aber sie absorbieren den größten Teil der Strahlen - etwa 95%. Das bedeutet also, dass normalerweise die Sonne kein Problem ist, denn die Haube wirkt wie eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20.
Bei langen Flügen, womöglich in großer Höhe und ohne Gewöhnung an die Sonne trägt man besser ein leichtes Sonnenschutzmittel zusätzlich auf. Direkte UV-Blocker sind auf jeden Fall unnötig.
Getönte Hauben sind bezüglich UV-Schutz noch geringfügig günstiger.

Wenn Sie dennoch einen Sonnenbrand bekommen, haben Sie sich zu lange Zeit gelassen mit dem Aufbauen! 

Oben sehen Sie übrigens eine Haube von 1929!

 

- friedel weber -

Zum letzten Punkt noch eine Ergänzung:

Bei meinen Flügen in Namibia bei senkrecht stehender Afrikanischer Sonne habe ich auch ohne Sonnenschutzmittel nie einen Sonnenbrand bekommen - auch nicht bei langen Flügen. Die Hauben sind offensichtlich ausreichend UV-dicht!

UV-Dichtigkeit von Plexiglas-Hauben

Hier ist noch ein interessanter Artikel aus Österreich:

uv-strahlung.pdf

 


Die Legende von der Überhitzung:

Es scheint logisch zu sein, dass es unter einer solch großen Haube sehr warm werden kann - wärmer als unter einer "normalen" Cockpithaube. Stimmt das eigentlich?

Wenn das Flugzeug ungeschützt in der Sonne steht - in Namibia z. Bsp. -, wird es natürlich unerträglich heiß in einem geschlossenen Cockpit. Das passiert aber auch bei anderen Flugzeugen ähnlich. Immerhin wird eine hohe Temperatur  sehr ärgerlich, wenn man z. Bsp. auf den Start warten muss.

Im Flug entscheidet aber allein die Qualität der Lüftung über die Frage, ob es im Flugzeug spürbar wärmer ist als draußen. Hierzu eine kleine Rechnung:
Die DG-808 hat eine Lüftungsöffnung in der Rumpfspitze von 38 mm Durchmesser. Dort strömt die Luft ungebremst hinein und dahinter wird der Kanal sofort noch größer, so dass die Drosselklappe der Lüftung nicht bremsend wirkt. Bei 100 km/h strömt durch diese Öffnung ein Volumen von etwa 30 Liter Luft pro Sekunde. Das bedeutet, dass etwa alle 10 Sekunden die gesamte Luft im Cockpit erneuert wird, wenn man die Lüftung voll geöffnet hat.

Es ist leicht einsehbar, dass keine Sonneneinstrahlung stark genug ist, um innerhalb von nur 10 Sekunden ein Cockpit spürbar zu erwärmen! Und wenn man den Luftstrom direkt im Gesicht spüren will, gibt es ja immer noch das Ausstellfenster, welches man zusätzlich öffnen kann.

Ganz anders sieht es aus, wenn man auf die Sonnenwärme angewiesen ist - z. Bsp. in 6.000 m Höhe: Ich hatte die Lüftung völlig geschlossen, eine Außentemperatur von -28 Grad C und nur einen Baumwoll-Pullover und normale Schuhe angezogen.
Machen Sie das mal mit einem "normalen Cockpit"!


Verbesserung der Hauben-Passung

Neue Hauben aller Segelflugzeuge lassen sich manchmal nur schwer schließen, weil sie noch unter Spannung stehen. Das lässt sich bei der Produktion auch nicht völlig vermeiden.

Interessanterweise gibt sich diese Eigenschaft nach einigen Monaten und die Haube geht dann ganz leicht zu. Der Grund liegt darin, dass das Haubenmaterial wie auch der Haubenrahmen noch nachhärten und bei der Gelegenheit die inneren Spannungen abbauen. Sie müssen dabei nur genau aufeinander passen.
Deshalb hier ein wichtiger Ratschlag:

Wenn Sie das Flugzeug verlassen, verriegeln Sie immer die Haube - insbesondere bei Neuflugzeugen. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie das Flugzeug in den Anhänger schieben und beim Abstellen in der prallen Sonne.

Manchmal aber bekommen Sie die Haube bei Neuflugzeugen einfach gar nicht zu.
Das kommt vor, wenn Sie das Flugzeug mit geschlossener Haube in der Sonne stehen lassen. Der Innenraum und die Haube erwärmen sich dann auf sehr hohe Temperaturen. Öffnen Sie einfach die Haube für wenige Minuten und wahrscheinlich hat sie sich im Wind dann schon ausreichend abgekühlt und schließt problemlos.

Wenn das nicht hilft, können Sie die Verriegelungsaufnahme nachstellen.

Ob das notwendig ist, erkennen Sie, wenn Sie von der linken Seite des Flugzeugs nach schräg hinten auf den Aufnahmemechanismus sehen. Sie sehen dabei das schwarze Blech mit dem Loch für den Verriegelungsbolzen und durch das Loch die Öffnung des rumpfseitigen Aufnahme-Passstücks. Beide Löcher müssen natürlich in etwa überein stimmen.

Bei hoher Temperatur wird die Haube länger und das Loch im rumpfseitigen Teil steht vor dem Loch im Verriegelungsblech.
Lösen Sie dann einfach die Kontermutter M13 am rumpfseitigen Teil und drehen Sie es eine Umdrehung hinein.
Im Winter können Sie es wieder heraus drehen, aber wahrscheinlich hat sich die Haube bis dahin schon von selbst angepasst.


Vermeidung von Rissen in der Haube

Wenn eine Haube kaputt geht, liegt das fast immer daran, dass jemand durch das Haubenfenster nach innen gefasst und dabei Druck auf die Kanten des Fensters ausgeübt hat. Das Fenster stellt eben eine unvermeidliche Schwächung der Struktur dar und wenn dort Druck ausgeübt wird, bilden sich starke Spannungsspitzen, die trotz Ausrundung des Fensters dazu führen können, dass dort ein Riss entsteht, der ohne Abbohren ständig weiter reißt. Sehr leicht geht ein solcher Riss auch von den Bohrlöchern der  Schienen für das Schiebefenster aus - aber das alles weiß schließlich jeder Segelflieger und sollte zum Öffnen der Haube niemals an den Rand des Fensters greifen.

Alle Neuflugzeuge haben deshalb innen am Haubenrand einen Knopf zum Anfassen und Hochheben der Haube.

Wir wünschen Ihnen alle Zeit klare Sicht auf die Dinge!

Vermeidung von Spiegelungen

Besonders kritisch ist der Effekt der Spiegelungen in großen Hauben bei Doppelsitzern.

Das nebenstehende Foto ist nicht in einem DG-Flugzeug entstanden. Man sieht sehr deutlich, dass eine weiße Mütze des Vordermanns sehr starke Reflexionen hervorruft. Also:

In Doppelsitzern sollte der Vordermann immer eine dunkle Kopfbedeckung tragen!

- friedel weber -

 

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