DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

Die Erfüllung eines Fliegertraums

Dieser Artikel wurde geschrieben ein Jahr, nachdem ich angefangen hatte, Segelflugzeuge zu bauen. Er ist also nicht mehr ganz frisch, aber immer noch nett zu lesen.

Man soll bloß nicht glauben, dass es ausreichend wäre, eine Segelflugzeugfabrik zu kaufen, um segelfliegen zu können!

Im vorigen Winter (1996) hatte ich ja eine wunderschöne DG-400 zur Verfügung. Zwischenzeitlich wurde ich dann plötzlich zusammen mit meinem Partner Eigentümer von DG Flugzeugbau und so sollte ich ja auch eine DG-800B bekommen. Nun ja - erst musste das Werk wieder zum Laufen gebracht werden, dann waren es Kunden, die dringender warteten und natürlich war der Chef gern bereit, zugunsten seiner Kunden zurückzutreten. Dann traten technische Probleme auf und zum Schluss, als ich die DG-400 längst verkauft hatte, erbat man meine DG-800 als Erprobungsträger für die neu entwickelten Winglets.

Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben und so konnte ich dann schließlich am 28. Februar mein neues Flugzeug, übernehmen - schon auf dem Weg nach Vinon, Südfrankreich.

Eigentlich wollte, sollte, müsste ich ja an dem Tag in Bruchsal gearbeitet haben, aber als Wilhelm Dirks ein paar Vergleichsflüge machen wollte, um die neuen Winglets zu vermessen, war ich natürlich sofort dabei. Das Ergebnis war übrigens absolut eindeutig und so können wir nur jedem Kunden empfehlen, auch in der 18 Meter Version mit Winglets zu fliegen.

In Vinon war man natürlich zuerst sehr überrascht, die Geschichte meiner DG-800 zu hören einschließlich der Story von der Neugründung von DG Flugzeugbau. Das Flugzeug selbst war vielfach umlagert von Kollegen, die natürlich nach allen möglichen Details fragten oder sich auch nur ganz einfach die schöne Innenausstattung ansehen wollten. Darüber hinaus kam einer gleich mit einem Zeichenblock und malte sich ganz genau das kleine mitnehmbare Flächenstützrad ab, um es wohl selbst nachzubauen.

Und dann kam der "Augenblick der Wahrheit", der erste Start. Bei meinen bisherigen Flügen mit den verschiedenen Werksmaschinen hatte ich immer irgendeinen "geschäftlichen" Anlass und kam gar nicht in den Genuss der Ungebundenheit des Fliegens, wie wir es doch alle so lieben. Aber jetzt hatte ich Ferien und konnte endlich das erleben, weswegen ich eine ganze Flugzeugfabrik erworben hatte!

Was soll ich im Detail meine Empfindungen schildern, als der Motor aufbrummte und lange vor Ende des asphaltierten Startkopfes in Vinon die D-KWDG steil in den Himmel zog!? Unmittelbar vor mir war ein anderer Motorsegler mit Klapptriebwerk gestartet. Ich will ja wahrhaftig nichts Schlechtes über Produkte des Wettbewerbs sagen, aber wie ich so bei gleichzeitigem Einfahren des Triebwerks von hoch oben auf den Kollegen herunterschauen konnte, war ich doch sehr zufrieden!

In den folgenden Tagen lernte ich mein Flugzeug immer genauer kennen. Die angegebenen Flugleistungen konnte ich natürlich nicht nachmessen, aber der Vogel gleitet und gleitet und gleitet .... Gleichzeitig steigt er aber auch in der Thermik locker den anderen Flugzeugen weg. Nun - das war erwartet worden und eigentlich nichts Neues. Auch die wunderschön warmen Füße in 6.000 Meter Höhe aufgrund meiner großen Glashaube kannte ich ja schon. Die eigentliche Überraschung lag darin, dass die Maschine ihre Höchstleistungen bringt bei Flugeigenschaften, die man sonst nur bei Anfängerflugzeugen findet. Die Maschine fliegt extrem einfach. Ob man in der Thermik kreist oder an böigen Bergflanken entlang jagt, ob man ganz langsam gleitet oder am "roten Strich" gegen den Mistral vorfliegt - man hat nie das Gefühl der Unsicherheit oder die Notwendigkeit dauernder Steuerbewegungen. Sie fliegt einfach von selbst! Sogar während der Motor läuft, kann man die Maschine sich selbst überlassen und in Ruhe in die Gegend schauen. Sie steigt ruhig und geradeaus ohne eine Tendenz, zur Seite zu kippen, wie das Flugzeuge mit einem hoch liegenden Triebwerk machen. Ich flog mit mittlerer Schwerpunktlage und mir ist es nicht möglich gewesen, die Maschine zum Trudeln zu bringen. Welchen Sicherheitsgewinn das im Gebirge bedeutet, weiß jeder, der dort schon mal geflogen ist.

K.-F. Weber in D-KWDGUnd für mich ganz persönlich passierte noch etwas besonders Traumhaftes: Ich hatte während meiner ganzen Fliegerei das Problem, dass mir im Frühjahr während der ersten Wochen beim Fliegen übel wurde. Später im Jahr mit zunehmendem Training legte sich das dann etwas, war aber immer noch störend. Das ist weg - spurlos verschwunden! Liegt es an der Ruderabstimmung, den ausgewogenen Flugeigenschaften, der ruhigeren Lage in der Luft aufgrund der höheren Spannweite oder an allem gleichzeitig?
Sagen wir einfach: "Es liegt an der DG-800."

Schon in den ersten Tagen gelangen mir Flüge, die ich vorher jahrelang vergeblich versucht hatte. Und diese Strecken hatte ich gar nicht vorher geplant, sondern ich kam einfach so schnell vorwärts, dass ich immer weiter und weiter flog. Am Ziel angekommen, erhob sich dann die Frage, was ich an dem angebrochenen Nachmittag sonst noch erfliegen könnte....

Schon nach wenigen Tagen habe ich auf dem Rückflug in 2.400 Meter Höhe über mein Handy Wilhelm Dirks angerufen und gesagt: "Das will ich Ihnen zum Feierabdend noch mit nach Hause geben: Sie haben ein wunderbares Flugzeug konstruiert - den besten Motorsegler der Welt!"

Da hat er sich gefreut.

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- friedel weber - 1997-


Ein Jahr danach:

Wie jedes Jahr war ich auch diesmal wieder im Frühjahr in Vinon. Eigentlich sollte es ja ein Urlaub sein, aber man ist ja zwangsläufig immer eine Art "Testpilot" und Ansprechpartner für alle DG-Piloten am Platz. So kamen in vielen Gespräche auch wieder eine ganze Reihe nützlicher Verbesserungsvorschläge zusammen, die unser Flugzeug nur noch besser und zuverlässiger machen können.

Ich bin noch niemals so viele Stunden innerhalb der zwei Wochen geflogen, wie dieses Jahr und vor allem:
 

Ich hatte ein wunderbares Flugzeug mit einer überlegenen Technik und diese Technik funktionierte perfekt!

 

Die Zeit der anfänglichen "Kinderkrankheiten" der DG-800B ist offensichtlich vorüber und so waren allen Mitarbeiter im Werk von Herzen erleichtert. "Wilhelms Liste" mit den Verbesserungsvorschlägen hat offensichtlich erhebliche Auswirkungen gehabt.

Das ging so weit, nach dem Landen mit Triebwerkshilfe wieder an den Abstellplatz zurück zu rollen und vom Cockpit aus das Triebwerk automatisch wieder einfahren zu lassen.
Erst dann wurde ausgestiegen.
Welches Flugzeug kann so etwas auch? 

Auch bei schwachen Wetterlagen bis ins Hochgebirge zu kommen und dort den Aufwind zu finden und abends sicher wieder zuhause zu sein - das ist die wahre

Erfüllung eines Fliegertraums!

- März 1998 -

Ein weiteres Jahr später:

Zum neunten Mal in Folge flog ich auch 1999 wieder in Vinon.
Wir hatten überwiegend herrliches Wetter mit Thermikflügen bis 3.400 Meter Höhe weit ins Hochgebirge und Wellenflüge mit Höhen bis 7.000 Metern im "Fenster vom Lure".

Aber mal ehrlich: Was tue ich da oben?
Die Welt sah in 7.000 Metern auch nicht viel anders aus als in 4.000 Metern. Und zum weiteren Vorfliegen nach Norden muss man wieder auf FL 115 hinunter, weil dort eine viel beflogene Luftstraße herführt.

Die Außentemperatur betrug genau -40 Grad C. Das machte meinem Flieger mit PUR-Lackierung zwar nicht viel aus und auch meine Füße blieben relativ warm unter der großen Cockpithaube. Aber unterhalb des Fallschirms kam die Kälte dann doch ganz schön in das "verlängerte Rückgrat".
Nun gut - man muss es mal erlebt haben!

Viele Kollegen wissen inzwischen, was ich außerhalb meiner Freizeit so treibe und deren Äußerungen bezogen sich meist auf zwei ähnliche Aussagen:
1. Die DG-808B ist inzwischen das beste Flugzeug seiner Klasse und setzt für andere die Maßstäbe.
2. Der DG-Internet-Auftritt ist exzellent.

Das freut den "Schuldigen"!

Besonders gefreut hat mich ein Erlebnis zum Ende des Urlaubs:

Ein Pilot schob ganz allein sein 18-Meter-Flugzeug über den Platz. Ich wollte ihm helfen, als er sich umdrehte, mich sah und mir auf die Schulter schlug, dass ich fast bis zu den Knien im weichen Boden versank:
Es handelte sich um einen Schweizer Piloten, der vor einem Jahr schon mal bei mir gestanden und die DG-808B verrissen hatte nach Strich und Faden.

Ich höre heute noch seine Worte: "Bei 160 km/h stürzt die 800 ab wie ein Stein im Vergleich zum ....."

Jetzt begrüßte er mich überschwänglich mit den Worten:

"Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Ich habe die 800 auf verschiedenen Wettbewerben und vor allem bei der Deutschen Meisterschaft in Mengen beobachtet. Jetzt weiß ich, dass sie das beste Flugzeug ihrer Klasse ist."

Ich wollte das gar nicht so krass dargestellt sehen und meinte:

"Langsam bitte, sagen wir doch einfach, dass die Maschinen einander ebenbürtig sind und ein normaler Pilot die Unterschiede nicht ausfliegen kann."
"Nein", beharrte er, "was ich gesehen habe, habe ich gesehen. Ich beurteile ein Flugzeug ganz nüchtern, wie es schnell fliegt, wie es steigt, wie die Piloten damit umgehen können. Und da ist die 800 das beste Flugzeug der Welt!"

Das hat mich natürlich besonders gefreut und weil ich es als eine menschliche Größe empfand, eine geänderte Meinung auch so deutlich zu sagen, habe ich Herrmann Trunk recht edel zum Essen eingeladen.

Danke, Herrmann, es war ein lustiger Abend!

Und insgesamt war es ein schöner Urlaub.

- friedel weber - April 1999 -

Aber weitere Vinon-Bericht will ich jetzt mal nicht mehr anhängen. Sie wären sich zu ähnlich!

 

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