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Automatischer oder manueller Fallschirm

Fast jeder Pilot wird die Benutzung eines manuellen Fallschirms bequemer finden als die eines automatischen - entfällt doch das lästige Einklinken der Aufzugsleine und beim nochmaligen Aussteigen muss man nicht aufpassen, versehentlich seinen Schirm auszulösen. Sicherer dürfte indes ein Automatikschirm sein.

Im Sommer 1998 hat es leider einen schweren Unfall mit einem Zusammenstoß in der Luft gegeben, bei welchem der dabei umgekommene Pilot bei Benutzung eines automatischen Schirmes möglicherweise überlebt hätte. Im "Fliegermagazin 12/98" ist der Unfallbericht abgedruckt worden und der hier interessierende Abschnitt lautet:

....... Anders der Einsitzer: Wie sich aufgrund von Spuren am Haubenabgang des Doppelsitzers rekonstruieren ließ, war der Einsitzer mit seinem Sporn hinter dem Kopf des Passagiers gegen den Rumpf geprallt und hatte anschließend erst das hintere dann das vordere Haubenteil zertrümmert. Dabei brach die Rumpfröhre etwa einen halben Meter vor dem Leitwerk ab. Nur durch die Steuerseile blieb der Rest am Rumpf hängen.

Unsteuerbar tauchte der Einsitzer in den Sturzflug ab. 200 Meter über dem Boden gelang es dem erfahrenen Piloten - 1220 Flugstunden, 100 auf dem fraglichen Muster -, das Cockpit zu verlassen und den Rettungsschirm zu aktivieren. Der zog zwar aus, entfaltete sich jedoch nicht. Wie eine Fackel flatterten Fangleinen und Kappe hinter dem Stürzenden her - bis er nahezu ungebremst auf den Boden prallte. Ohne Überlebenschance. Wenige Meter entfernt schlug seine Maschine auf.

Tragisch an diesem Unfall: Der Pilot hatte nicht nur das Kunststück vollbracht, in ausreichender Höhe aus dem Cockpit der beschädigten Maschine zu klettern. sondern auch rechtzeitig den Fallschirm zu ziehen - und musste dennoch sterben, weil sich die Kappe nicht entfaltete.

Dass sie es nicht tat, lag an der besonderen Situation beim Ausstieg:
Anders als in einer Absetzmaschine konnte der Pilot sein Flugzeug nicht kontrolliert verlassen. Typischerweise wird bei solchen Absprüngen der Körper sofort in Rotation versetzt. Wenn der Fallende dann, wie geschehen, die rechte Hand zum Aufziehgriff auf der linken Gurtzeugseite hinbewegt, nimmt die Drehbewegung noch zu. Denn meist ragt der linke Arm im Freifall vom Körper weg, während der Griffarm anliegt.

Diese Rotation wurde dem Piloten zum Verhängnis. Sofort verdrehte sich der Leinenstrang; Verbrennungen der feinen Oberflächenfasern belegen dies. So blieb die Fallschirmbasis zugeschnürt. Die Kappe konnte sich nicht füllen. Es kam zur sogenannten "Schornsteinbildung". Solche Fangleinenverdrehungen gehen nur sehr langsam zurück. Durch den Bernoulli-Effekt (die Innenseiten des nicht entfalteten, röhrenförmigen Schirms saugen sich aneinander) kann dies gänzlich verhindert werden.
 

Schlussfolgerung für das sicherere Fallschirmsystem:

1. Bei einem Automatikschirm wird eine evt. vorhandene Rotation des Piloten zumindest nicht noch dadurch verstärkt, dass er (asymmetrisch) zum Auslösegriff des Fallschirms greifen muss.

2. Mit einem Automatikschirm wird der Pilot fast immer schneller auslösen können als manuell. Wir sind keine geübten Springer und würden bei einem solchen Unfall obendrein unter schwerem Schock stehen.

3. Wenn wir beim Aussteigen womöglich noch irgendwo anstoßen und einen Moment lang nur benommen sind, haben wir mit einem Automatikschirm gute Chancen, dennoch heil unten anzukommen. Ein paar Sekunden Bewusstlosigkeit wären bei einem manuellen Schirm dagegen der sichere Tod.

4. In Verbindung mit dem NOAH-System, durch welches er deutlich schneller aussteigen kann, müssten sich die Chancen eines Piloten zusätzlich entscheidend verbessern.

Siehe dazu auch unseren Artikel über Sicherheitstraining!

 


Wie so häufig, erreicht uns auch zum obigen Artikel wieder eine kontroverse Stellungnahme.
Das Schöne am Internet ist ja nun, dass man fast beliebig viele Informationen zur Verfügung stellen kann und warum wollen Sie sich nicht selbst Ihre Meinung bilden?

Hier also die Meinung unseres Kunden Dipl.- Ing. Roland Johann Straub:
 

Sehr geehrter Herr Weber,

ich bin absolut nicht der Meinung, dass ein automatischer Fallschirm bei einem
Notausstieg sicherer ist, als ein manueller.

Ganz im Gegenteil.

Ursache und Verlauf eines jeden Unfalls sind immer anders geartet.
Es gibt für einen Notausstieg kein sicheres Fallschirmsystem, dennoch sollte man
einen manuellen Fallschirm gegenüber einem automatischen den Vorzug geben.

Entscheidend ist bei einem Notausstieg:

1. so schnell wie möglich, das Flugzeug zu verlassen
2. so weit wie möglich, durch einen kontrollierten Sprung, Abstand zum
   havarierten Flugzeug zu gewinnen,
3. nunmehr als "Freifaller" (Jargon der Fallschirmspringer) eine kontrollierte
   Fluglage durch eine große X-Lage (Froschlage mit extremem Hohlkreuz)
   einnehmen,
4. symmetrisch mit beiden Händen (und Armen) zum Körper greifen
5. beim Ziehen des Aufziehgriffes wieder symmetrisch mit den Händen (und Armen )
   in die X-Lage gehen.

Dies kann man als Trockenübung im Bett, besser als "Nassübung" im Pool sehr gut
trainieren.

Noch besser ist es allerdings und dazu sollte sich jeder Segelflieger früher
oder später überwinden, einen Einweisungssprung, am besten manuell als
Tandemsprung, bei einem Paraclub durchzuführen.

Bei einem automatischen Fallschirm entfallen zwar die obigen Punkte 3 und 4.
Es stellt sich jedoch immer die Frage, ob der Fallschirm beim Absprung aus einem
havarierten Flugzeug überhaupt aufgezogen wird.  Es ist durchaus denkbar, dass
Teile eines Bruches die gleiche Fallgeschwindigkeit wie der Pilot einnehmen.
Desweiteren ist denkbar, dass sich die Aufreißleine am Flugzeug verheddert oder
der sich öffnende Fallschirm am Flugzeug verfängt, usw, usw.

Es ist zwar denkbar, aber sehr unwahrscheinlich, dass ein Pilot beim Absprung
mit einem Trümmerteil kollidiert, bewusstlos und dadurch nicht mehr
handlungsfähig wird.

Wahrscheinlicher ist aber, dass der Pilot, auch wenn er beim Crash nicht verletzt
wurde, es gar nicht aufgrund der g-Belastung oder Rotationen des Rumpfes schafft,
aus dem Bruch trotz ausreichender Höhe "auszusteigen".

Deshalb sollte es unbedingt auch für Segelflugzeuge, nicht nur für UL´s oder
Motorflugzeuge, ein "Gesamt- oder auch Teilrettungssystem" geben, bei dem der
Pilot das Flugzeug nicht verlassen muss.

Daran sollten die Hersteller in Gemeinschaftsarbeit arbeiten!!

MFG

Dipl.- Ing. Roland Johann Straub
PPL-CPL-Fluglehrer, Sachverständiger, Luftfahrtjournalist, DG-400- Eigner und
ehemals Fallschirmspringer

P.S. Sehr geehrter Herr Weber, vorstehenden Brief können Sie, falls Sie möchten,
auch veröffentlichen.

Auch dazu wieder ein kurzer Kommentar:

Zweifellos kann es nur von Vorteil sein, wenn ein Segelflieger mit seinem Rettungsgerät umgehen kann - wenn er also im Bett, im Schwimmbad oder in bei einem Übungssprung lernt, was beim Notfall so auf ihn zukommt. Und dass ein ehemaliger Fallschirmspringer die Sache anders sieht als ein Laie, kann ich gut verstehen.
Aber ehrlich: Wer von uns hat denn diese Erfahrung?
Und auch ein Fallschirmspringer dürfte bei einem Crash in der Luft ganz schön unter Schock stehen!

Ich persönlich "darf" z. Bsp. nach Herzenslust in den Alpen herum fliegen, aber als ich einen Fallschirm-Absprung gemacht habe, bekam ich ganz gehörigen Ärger mit meiner lieben Frau.
Emotional und nicht nachvollziehbar? Mag sein - aber Tatsache!

Wilhelm Dirks hatte das "Vergnügen", zweimal in seiner Laufbahn ein Flugzeug zu zerlegen. Er hat also zwei echte Notabsprünge überlebt und davon wird es nicht viele Menschen geben.
Wilhelm Dirks benutzt nur automatische Schirme.


Betreff: Fallschirm Notabsprung
    Von: Chr. Waldschmidt

Sehr geehrte Damen und Herren,

den Artikel von Pete Williams auf Eurer CD bzw. im Internet finde ich sehr gut und bin der Meinung, dass man ihn vor Beginn der neuen Flugsaison im Aerokurier oder in den Luftsportnachrichten der Landesverbände einem größeren Kreis zugänglich machen sollte. Er wäre sicher auch ein Thema für die Flugsicherheitsinspektoren der Verbände.

Allerdings vermisse ich im 3. Absatz des Artikels einen wichtigen Hinweis über das richtige Anlegen der Beingurte bzw. die richtige Einstellung der Länge des Sitzgurtes, damit es im Falle eines Absprunges nicht zu ernsthaften Verletzungen der Weichteile im Schritt kommt.

Ich selbst habe vor einiger Zeit mit einem Freund einen Tandemabsprung aus 3.000 Metern Höhe gemacht. Bei der Vorbereitung dazu war ich überrascht, wie fest ich durch die Gurte mit dem Sprunglehrer verbunden wurde und wie genau das Gurtzeug eingestellt wurde. Als sich dann der Fallschirm öffnete wurde mir klar warum - der Öffnungsstoß war erheblich höher als ich dies erwartet hatte.

Seit dieser Zeit versuche ich, Piloten, die das Gurtzeug ihrer Fallschirme viel zu locker anlegen, auf ihr fehlerhaftes Verhalten aufmerksam zu machen - leider oft ohne jeden Erfolg. Teilweise schlottern die Beingurte um die Oberschenkel oder aber die Sitzgurte hängen locker unter dem Hintern. Anscheinend machen sich diese Leute keine Gedanken darüber was passiert, wenn man mit sicher mehr als 100 km/h beim Öffnungsstoß, je nach Schirmtyp, in die lockeren Gurte fällt, oder sich der Sitzgurt am Rücken hochzieht und der Brustgurt unter das Kinn gerissen wird. Ganz schlimm finde ich es, wenn selbst Fluglehrer ihren Schülern mit schlechtem Beispiel voran gehen, nur weil sie zu faul sind auf dem Rückweg von einer Landung zum nächsten Schulstart die Beingurte aus zu haken bzw. zu lockern, da sie sonst nicht aufrecht gehen können. Bei einem korrekt angelegten Schirm dürfte eine völlig aufrechte Haltung nämlich unmöglich sein während ein festes Gurtzeug im Sitzen zu keiner Behinderung führt.

Sicher kann zu diesem Schreiben Herr Dirks selbst seine Erfahrungen beisteuern, schließlich hat er bereits 2 Absprünge hinter sich.

Mit herzlichem Gruß

Christian Waldschmidt


Betreff:   Bericht Fallschirmeinsatz
Heinrich Mertens

Sehr geehrter Herr Weber!
Durch Zufall bin ich auf Ihre Webseite gestoßen, wo über den Einsatz von
Fallschirmen in Notsituationen diskutiert wird. Wir haben schon über
viele Jahre hinweg die unterschiedlichen Notfälle beobachtet, die zum
Einsatz des Rettungsfallschirmes gezwungen haben und glauben zu Ihrer
Diskussion auch etwas beisteuern zu können. Allen von uns befragten Personen ist eines
gemeinsam:

-alle sind Segelflieger und nicht ausgebildete Fallschirmsportler
-alle kamen überraschend in eine Notlage, die vorher nicht zu erahnen war
-keiner hatte sich mit der Nutzung des Rettungsfallschirmes ernsthaft vertraut gemacht.

Aus diesen Situationen heraus glauben wir behaupten zu können, dass die
Bemerkungen des Herrn Straub zwar sachlich richtig sind, aus der Praxis
heraus aber ganz anders reagiert wird. Da die Mehrzahl der Segelflieger
keine Fallschirmerfahrung mitbringen ist das Einnehmen der stabilen
X-Lage reine Theorie.

Gleichermaßen verhält es sich beim kontrollierten Sprung, um Abstand zu erhalten.
Der Ablauf eines praktischen Absprunges sieht in der Regel so aus:
Begreifen, in welcher Situation man ist, die Entscheidung, das `sichere` Cockpit zu
verlassen, Haube weg und Gurte lösen (wird teilweise in der Ausbildung
auch umgekehrt gelehrt), aus dem Sitz heraus und seitlich wegrollen,
Griff suchen und ziehen und abwarten!!

Ist man erstmal soweit kann nichts mehr schiefgehen. Glaubt man! Dabei
sind bis jetzt schon sooo viel Fehler möglich gewesen, dass die Gefahren
eines Abstieges schon unbedeutend erscheinen: werde ich von Trümmerteilen erwischt?
Wo werde ich landen (Geröllfeld in den Bergen, evt. Steilhang etc. oder Straße oder
Stromleitungen oder Wasser?), wie treffe ich auf ( Windeinfluss, Pendelneigung, Sinkgeschwindigkeit)?

Da, wie schon erwähnt, die wenigsten Segelflieger Fallschirmerfahrung
besitzen sollte man auch hierauf aufbauend denken und den Schirm so
narrensicher wie möglich entwickeln, ohne durch zusätzliche Anforderungen den Benutzer belasten.
Hier ist u.a. die Zwangsauslösung zu bevorzugen, auch die immer wieder gestellte Frage nach
Flächenschirmen als Notgerät (ist ja technisch gesehen moderner!!) ist in diesem
Zusammenhalt total am falschen Platz. Selbst die Möglichkeit, den Schirm steuern  zu
können kennen die wenigsten, selbst Fluglehrer und erfahrene Flieger mit tausenden
von Stunden haben diese Tatsache noch nicht erfahren! Man hat schließlich genug
mit Loggern, GPS, Kamera etc. zu tun.
Der Fallschirm bring mich nicht weiter-schneller-höher.

Daher unser Rat: warum nicht mal zur Abwechslung einen Besuch beim Fallschirm-
hersteller als Alternative zum verregneten Wettbewerbstag, oder ein Vortrag zur
Jahreshauptversammlung durch einen engagierten Fallschirmhersteller ähnlich dem
Flugsicherheitsbeauftragten? Aber dabei könnte ja herauskommen, dass der Verein
am Sicherheitsgerät RETTUNGSFALLSCHIRM sparen wollte oder die Handhabung
sehr mangelhaft bekannt ist ("mir brauchst Du nichts zu erklären, schließlich fliege ich
schon seit hunderten von Jahren und es ist mir noch nie etwas passiert").

Hoffen wir, dass es so bleibt wie in der ironischen Bemerkung und allzeit guten Flug.

Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Mertens
Fallschirmhersteller


Sehr geehrter Herr Weber
es ist schon eine ganze Weile her, daß wir in Kontakt waren. Sie boten mir an, für das DG-Forum schreiben zu können,
vornehmlich für den Bereich Sicherheit/ Rettungsfallschirme. Dazu erhalten Sie nachfolgend einige Zeilen, die z.Zt. die
aktuelle Situation darstellen bzw. aus der Praxis kommen. Ich hoffe, daß Sie dieses veröffentlichen.

Thema Rettungsfallschirme/Nachprüfungen
Liebe Fliegerkameraden!
Wintersaison - das heißt für viele nicht fliegen zu können, dafür Winterarbeit erledigen zu müssen. Flugzeuge "auf Vordermann bringen", Hänger durchsehen und Ausrüstung kontrollieren. Hierzu zählt (leider?) auch der Rettungsfallschirm.

Aber zuerst: was gibt es Neues von den Instrumentenbauern?
Das neue XY-Gerät wäre `ne tolle Sache. Also Informationen einholen (wer hat das Gerät schon?), techn. Unterlagen beim Hersteller oder Händler anfragen. Preise und Leistungen vergleichen.
Man denkt ja schließlich an alles. Im Frühjahr dann endlich hinaus auf das Fluggelände und das neue Gerät ausprobieren! Hänger läuft sauber, hab ich ja auch gewartet, Flieger zusammenstecken, auch kein Problem, Nachprüfung wurde im Instandhaltungsbetrieb erledigt, jetzt los!
Hallo, was war doch gleich mit dem Rettungsschirm? Na ja, nicht so schlimm, muß ich die Tage mal zum Prüfer geben.
Aber der meckert ja doch wieder, ich solle mich an Packtermine halten.
Dabei benutze ich den Schirm doch gar nicht. Blödes Ding!!

So wie dieses Szenario geschildert ist die Realität glücklicherweise nicht (mehr). 
Aber in vielen Fällen sind ähnliche Gedanken und Vorgehensweisen an der Tagesordnung. Denn jetzt in der Winter- und Frühjahrszeit kommen sie wieder ans Licht. Deshalb, auch wenn es einem aus den Ohren hängt:
Der Rettungsschirm soll unsere Freizeit sicherer machen. Daher in Kürze einige Worte:

 - Schirme regelmäßig warten lassen, sie brauche unsere Pflege, auch wenn sie    dies nicht ausdrücklich melden wie z.B. der Akku. Ist er leer zeigt er dies an!
 - mit der Benutzung vertraut machen, ist normalerweise nicht schwer, aber man sollte das Handbuch einmal lesen oder den Packer fragen oder den Prüfer. Es gibt auch Hersteller, die eine technische Einweisung anbieten, die z.B. gut in den Rahmen der Ausbildung im Verein passt oder während des Fliegerlagers.
   Fa. Mertens steht hier gerne zur Verfügung
 - die meisten Schirme sind heutzutage steuerbar, doch die wenigsten kennen sich    damit aus. Ist ja auch nicht einfach, der eine hat Steuergriffe (praktisch), der andere verlangt den beherzten Griff in das Fangleinenbündel (wir sind ja alle verkappte Fallschirmsprungexperten). Bei einer Neuanschaffung sollte man auch hierauf mal achten.
 - der Service vor der Haustür ist auch nicht zu verachten, oder wer will auf seinen reparaturpflichtigen Schirm wochen- oder monatelang warten, auch wenn er diesen billig aus dem Osten bekommen hat (leider kein Hirngespinst!).
 - Nachprüfung beim Hersteller, für viele Privatleute schon selbstverständlich, auch für Vereine immer attraktiver, denn der DAeC-Prüfer stellt zwar die Diagnose, zur Instandsetzung muss der Schirm doch ins Werk. Auch hier bietet Fa. Mertens einen guten Komplettservice an (auch Fremdgeräte).
 - Flugzeug und Fallschirm sollten als Einheit aufeinander abgestimmt sein, damit im Falle eines Falles auch das mit dem Ausstieg gut funktioniert. Hersteller fragen, die Flugzeughersteller kennen auch meistens die Schirmtypen.

Und nun in die Papiere sehen, wann der Rettungsschirm zur Wartung ansteht und sich kümmern. Anruf genügt fürs Erste!!
Allzeit guten Flug und mit Fliegergruß verbleibe ich
Heinrich Mertens

Eine Anmerkung:
Ich mache üblicherweise nicht Werbung für andere Firmen.
Aber da Herr Mertens sogar anbietet, Schulungen in Vereinen abzuhalten, machen ich hier eine Ausnahme.

Und noch eine Zuschrift von ihm:

Hallo,

noch eine Bemerkung zu Automatik- oder manuellen Schirmen.

Es gibt Fallschirme mit kombinierter Öffnung, die z.B. für Slimpack ohne Aufpreis angeboten wird: Im Notfall hat man die automatische Öffnung mit
der schnellen Reaktion auch bei verletztem Pilot. Das Risiko dabei ist eine Beschädigung der Aufziehleine an scharfen Bruchkanten des Flugzeugs. Für diesen Fall gibt's noch den Auslösegriff.

Gruß
Josef Mertens


Sehr geehrter Herr Weber,

mit großem Interesse habe ich den Artikel und die nachfolgende Diskussion über die Verwendung automatischer oder manueller Fallschirme auf ihrer Homepage gelesen.

Ich bin zwar in beiden Sportarten kein Sachverständiger, aber einige Anmerkungen zu Dingen die mir auffielen möchte ich dennoch gerne machen.

Eine Fangleinenverdrehung kann immer passieren, egal ob mit einem manuellen oder automatischen Schirm. Dazu muss sich noch nicht einmal der Springer drehen, es reicht wenn der Schirm in eine Rotation versetzt wird wenn er die Packhülle verlässt. Das kann beim automatischen Schirm z. B. durch eine Drehbewegung des Flugzeugs, oder auch durch das Wegdriften des Springers vom Flugzeug, passieren. Hier stellt sich auch die Frage was mit Gesamtrettungssystemen passiert, die während des Trudelns ausgelöst werden. Ohne dabei gewesen zu sein, und ohne jemanden verurteilen zu wollen: Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier ein Packfehler vorlag, oder der Schirm technisch nicht in Ordnung war. Denn jeder Fallschirm, egal ob Flächenschirm oder Rundkappe, öffnet sich immer sobald er Luft von unten bekommt. Die Fangleinen müssten wirklich extrem oft eingedreht sein damit dass verhindert wird. Bei einem Sprung mit einem Flächenfallschirm war ich achtmal eingedreht und trotzdem war der Schirm über mir hervorragend geöffnet.

Zur oft gestellten Frage warum Rundkappe statt steuerbarem Flächenfallschirm: Den sprungunerfahrenen Segelflieger an einen Flächenfallschirm zu hängen grenzt an einen vorsätzlichen Tötungsversuch. Der Flächenfallschirm bietet die Möglichkeit vor der Landung abzubremsen, und durch Ziehen an den Steuerleinen Kurven zu fliegen. Beim Fliegen von Kurven nimmt die Längsneigung und die Sinkrate stark zu, was in zu niedriger Höhe leicht zu einem tödlichen Unfall führen kann. Beim Bremsen in zu großer Höhe kollabiert die Kappe und der Springer fällt fast ungebremst zu
Boden. Deshalb sind diese Schirme nur nach einer gründlichen Ausbildung sicher zu beherrschen, eine simple Einweisung reicht hier einfach nicht.

Für den Segelflieger ohne Sprungerfahrung würde ich generell den Automatikschirm empfehlen. Zum Einen weil ein mir bekannter Segelflieger nach dem Notausstieg, durch eine Berührung mit dem Flugzeug bewusstlos, seinen Schirm nicht mehr ziehen konnte. Zum Anderen weil der Schirm auch in niedrigen Höhen aufgeht, ohne dass man erst lange nach dem Griff suchen muss. Obwohl der Mensch in Extremsituationen ja sehr gut über sich hinauswächst und den Griff sicher als riesengroß und signalrot empfinden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Ruffer
Segelflieger seit 1992, Fallschirmspringer seit 2003


Erhöhung des Sitzkomforts

Kennen Sie dieses "Phänomen"?
Wenn man einen ganz neuen Fallschirm im Rücken hat, dient dieser als ein durchaus bequemes Rückenkissen. Sobald der Fallschirm aber das erste mal neu gepackt wurde, knubbelt sich alles in der Mitte zusammen und man spürt im Rücken zusätzlich die Abdrücke von Gurten und ähnlichem. Damit erzeugt der Fallschirm ein Gefühl des Unbequemlichkeit, wogegen der Konstrukteur der Sitzwanne im Flugzeug machtlos ist. Möglicherweise lässt sich dieses Phänomen beim Neupacken gar nicht vermeiden, aber die Folgen lassen sich abmildern:

Wilhelm Dirks hat sich selbst ein Rückenkissen gebaut aus stoßabsorbierendem Schaum. Dieses Material hat sehr gute Eigenschaften im Crashfall und auch für diesen Einsatzzweck. Es fühlt sich nämlich zuerst recht hart an, passt sich dann langsam den Konturen an und "federt" bei Entlastung nur langsam wieder zurück. Genau diese Eigenschaft wird hier gebraucht. Die Unebenheiten des Fallschirms drücken sich in das Kissen ein und bleiben bestehen, auch wenn der Pilot sich mal etwas anders hinsetzt.

Wenn Sie nicht gerade größer als 1,85m sind, sollten Sie sich solch ein Rückenkissen selbst anfertigen und mit Klettband am Fallschirm befestigen. Den speziellen Schaum dazu können Sie bei uns erwerben.

 

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