Uli, der Bruchpilot
Bonner Pilot landet mit Segelflieger im Rhein
Von IRIS KLINGELHÖFER
"Bonn-Express" - Ausgabe 25. Mai 2004
Bonn – „Das war ein scheiß Gefühl“, erzählt Ulrich Kessler (62). Motorschaden. In 600 Metern Höhe. Der Horror für jeden Motorsegler. Doch: Der ehemalige Raffinerie-Leiter und Hobbyflieger brachte die Kiste und sich selbst heil nach unten, legte auf dem Rhein eine butterweiche Notlandung hin. Uli, der tolle Bruchpilot …
Ein Flugzeug ist in den Rhein gestürzt. Eine Sensation. Rasendschnell füllt sich das Hans-Steger-Ufer mit Schaulustigen. Polizei, Feuerwehr und Notarzt sind bereits vor Ort. Schnell aber aufatmen: Zu retten gibt es zum Glück nur ein pitschnasses Motorsegelflugzeug …
Es ist gegen 14 Uhr, als Ulrich Kessler (62) mit dem Flugzeug eines Freundes in Hangelar startet. Zu einem Platzflug. Mit Hilfe des Motors geht es in 600 Meter Höhe. Er hat die Kennedybrücke vor Augen, als er den Motor einfahren will, um zu gleiten. Aber das klappt nicht. „Plötzlich verlor ich an Höhe“, erinnert sich Kessler. Er will den Motor wieder starten. Doch auch das: Fehlanzeige. Sein erster Gedanke: nur nicht in Panik geraten, Hauptsache, ich komme da lebend raus.
„Ich war so niedrig, dass ich in die Häuser reingegangen wäre – also habe ich mich für eine Wasserlandung entschieden“, erzählt er. Zeuge Toni Muth (68) las gerade auf einer Bank Zeitung: „Ich hörte ein leises Rauschen. Da war der nur einen Meter über der Wasseroberfläche und glitt so noch etwa 100 Meter weiter.“ Sechs Minuten nach dem Start in Hangelar setzt der Motorsegler in Bonn auf dem Rhein auf. Toni Muth: „Ich dachte, das kann alles nicht wahr sein.“
Ulrich Kessler ist unverletzt. „Ich habe dann sofort die Haube aufgemacht, mich abgeschnallt“, erzählt er. Auch vom Fallschirm. Als der abdriftet, verknotet ihn der 62-Jährige schnell. Paddelt dann los. Bis er stehen kann. Ein junger Mann kommt ihm zu Hilfe. Wenig später treffen die Einsatzkräfte ein.
Während die das Flugzeug beäugen, läuft Ulrich Kessler mit umgeschlungener Wärmefolie und weißem Sonnenhut herum. Der Diplom-Ingenieur ist erst vor einem Monat in den Ruhestand gegangen, war in Wesseling stellvertretender Raffinerie-Direktor der Shell Deutschland. Und jetzt ist der dreifache Opa der Held von Bonn.
„Es war meine erste Wasserlandung überhaupt“, erzählt er. „Ich hoffe, auch meine letzte …“ Kessler fliegt seit seinem 14. Lebensjahr. Ein Profi, der nach seiner spektakulären Landung sogar hilft, das Flugzeug aus dem Wasser zu ziehen.
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....und die "Moral von der Geschicht":
Das (Wasser-)Flugzeug wurde uns nach Bruchsal geliefert zur Reparatur.
Frage an Frank Götze: "Was machen wir nun damit?"
Antwort: "Trocknen lassen!"
So schlimm sieht der Schaden also nicht aus - nur die ganze Elektrik ist hinüber. Deshalb ist der Instrumentenpilz sichtbar leer.

Sehr geehrter Herr Weber,
gerade sah ich noch Ihre Fortsetzung bezüglich der Notwasserung.
In der Bildunterschrift klang ein bisschen erstaunen durch, dass eine einfache Trocknung ausreicht. Mir war das eigentlich klar, da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe:
Mein Vater, wie ich in der Modellfliegerei aktiv, wohnt in Freital, was an der Weißeritz liegt. Diese ist, wie allgemein bekannt sein sollte, im August 2002 (also während der Flutkatastrophe) mächtig übergelaufen. Und wo lagert das Hobby? Natürlich im Keller.
Kurz und gut: Der gesamte Flugzeugbestand war abgesoffen. Nun brachte ich es aber bei den Aufräumarbeiten nicht übers Herz alle Flieger wegzuschmeißen. Mein Vater wollte dies tun. Also habe ich mir den Großteil ins Auto geladen und diese erstmal mitgenommen. Es handelte sich zum Großteil um Styro-Abachi Flächen, welche mit Glasseide beschichtet und anschließend lackiert waren. Die Rümpfe bestanden durchweg aus Glasfaser und waren teilweise lackiert und teilweise mit Gelcoat beschichtet. Einige Rümpfe waren leider nicht mit vertretbarem Aufwand zu retten, da das Gelcoat Blasen geworfen hatte.
Der Rest wurde erstmal auf dem Balkon getrocknet. Anschließend ging es in die Autoselbstwaschanlage. Dort wurden die Rümpfe mit dem Kärcher ordentlich ausgespült. (Ich sah aus ;-) ) Nach der anschließenden Trocknungsphase mussten alle Holzteile (hauptsächlich Spanten) neu eingeklebt werden. Alle die ich vergessen hatte (hauptsächlich weil sie fest waren), lösten sich später. Die Tragflächen hatten durch ihre sehr gute Versiegelung im Prinzip gar nichts abbekommen. An einigen Ecken war das Holz ein wenig aufgequollen, was sich aber sehr leicht beheben ließ. Heute fliegen 90% der mitgenommenen Modelle wieder.
Auch die elektronischen Komponenten (Servos/Empfänger) konnten gerettet werden. Diese wurden komplett zerlegt und sehr intensiv mit klarem Wasser ausgespült. Nach einer sehr langen Trocknungsphase funktionierten sie wieder. Heute kommen diese an nicht sicherheitsrelevanten Stellen zum Einsatz.
Ein kleines Problem war die Korrosion der Potentiometer. Diese hielt sich aber erstaunlicherweise sehr in Grenzen, so dass nach einiger Zeit der Benutzung (natürlich im uneingebauten Zustand) sich auch dieses Problem wieder gab.
Als Fazit kann ich also folgende Empfehlungen geben:
Viel Erfolg beim Wiederaufbau der Maschine!
Frank Porstmann
Lieber Friedel,
Eure Piloten-Info ist jedes mal eine interessante, hochwillkommene Lektüre. Vielen Dank dafür!
Bei der "DG-400W" bleiben einige Fragen offen, das hat eine Diskussion im Verein gezeigt, zum Beispiel:
Da Wasserlandungen sehr selten sind, interessieren diese Details natürlich viele Flieger.
Bevor nun jeder von uns Ullrich Kessler anruft, wäre es besser, wenn einer Deiner Mitarbeiter ihm diese Fragen stellt, und die Antworten auf Eurem Server veröffentlicht (den besucht vermutlich jeder wissensdurstige Segelflieger von Zeit zu Zeit).
Viele Grüsse
Walter Kronester
Antworten:
Der Motor war aufgrund einer Fehlbedienung nicht angesprungen.