DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

DG-1001M - Flugbericht von Mario Wichmann

Endlich ist es soweit! Wir stehen auf der Rollbahn zur Piste 06. Der neue Flieger, unsere DG 10001M, Werk-Nr.2, die erste Kundenmaschine,  ist gründlich gecheckt. Ich steuere den Flieger von hinten. Radbremse feststellen, so sind beide Hände frei, Zündung ein, Gas ganz raus und starten. Der Motor startet sofort, die Elektronik  funktioniert. Ich prüfe die Systeme, insbesondere beide Zündkreise und melde uns bei "Info" an. Vor mir sitzt Jörg. Die 1000 kennt er schon, wir hatten 6 Jahre eine „S“. Als „Klapptriebwerkler“ hat er aber bisher nur KIWI geflogen.

Bei der Startabbruchbesprechung legen wir für die Umkehrkurve die Mindesthöhe auf 90m, bei einer Fahrt von 110 km/h fest.

Beim Rollen auf die Bahn erläutere ich Jörg, warum man erst nach exakter Ausrichtung beschleunigt. Die Fliehkraft hat schon mehr als einen Fliegerkameraden von der Bahn gefegt. Aber während ich spreche, merke ich schon den Unterschied zu den anderen Eigenstartern mit lenkbarem Spornrad. Keine Tendenz zum Übersteuern, exakte Führung, der Flieger rollt auf die Bahn als hätte er ein Bugfahrwerk.

Ich gebe Vollgas. Soweit Wind weht, weht er von der Seite. Wir beschleunigen anfangs spürbar langsamer als mit unserer DG-800B. 745kg, unser aktuelles Abflugget, wollen halt angeschoben werden. An der auf der 06 versetzten Schwelle heben wir ab. Das sind gerade mal 200m Rollstrecke. Und das bei 600m Platzhöhe. Wir sind mehr als zufrieden.

Mit 95 km/h geht es nach oben, das Vario zeigt um die 3m Steigen.
Für uns ist es eine wichtige Frage, weshalb sind wir vor Jahren beim Einsitzer von der DG-600M auf die DG-800B umgestiegen: "Ist die Steigleistung ausreichend, um beim Startabbruch entweder geradeaus oder nach sicherer Umkehrkurve auf dem Flugplatz zu landen?"

Auch das kein Problem! Am Ende des Platzes haben wir, ohne Gegenwind, ca. 140m Höhe. Das ist komfortabler als wir das erhofft hatten.

Der Rest ist "DG Routine", oder doch nicht ganz. In 300m fährt nach kurzem Knopfdruck das Fahrwerk ein. Das ist genial. Der Motor ist deutlich leiser und laufruhiger als bei den alten Modellen. Liegt wohl an der neuen Motoraufhängung.

In 600m Höhe - wir sind an der Basis - legen wir den Motor still, Zündung aus und den Rest relaxt mit kurzen Blicken im Spiegel überprüfen!

Der Segelflug kann losgehen. Das aktuelle Gewicht haben wir mit der DG-1000S nur mit Wasser erreicht. Und bei 600m Basis mit unter 1m Steigen hätten wir früher kein Wasser getankt. Doch jetzt stellen wir fest, wir steigen nicht schlechter als die anderen. In der ruhigen Thermik reichen schon 90km/h. Bei knackiger Thermik ist der Flieger ohnehin leicht zu fliegen. Bei 80km/h werden die Ruder weich, bei 70km/h folgt das Flugzeug immer noch sowohl dem Quer- als auch dem Seitenruder. Weit unter 70 - nach Fahrtmesser eher an der 60er Marke - nickt die 1001 leicht nach vorn. Harmloser geht es wohl nicht. Wir sind rundum zufrieden.

Für unseren kleinen Verein war die Umstellung des letzten Fliegers auf Eigenstart durchaus eine große Herausforderung. Aber die Aussicht, künftig alle Flieger problemlos in der Woche, beim Wandersegelflug oder an Urlaubsorten ohne Fremdstartmöglichkeit in die Luft zu bekommen, hat manche Kräfte freigemacht.

Zudem bietet die DG 1001M Leistung und Handling, die sowohl unseren erfahrenen Leistungsfliegern als auch unseren eher unerfahrenen Wenigfliegern das volle Flugvergnügen bietet. Wir werden von der weiteren „Erprobung“ berichten.

Viele Grüße auch an das gesamte Team

Mario

- Mario Wichmann - Juni 2010 -


Mit einer neuen DG-1001M nach Namibia

ein zweiter Bericht von Mario Wichmann im Frühjahr 2011

Es hat sich gelohnt, unseren neuen Vereinsflieger, die DG-1001M nach Bitterwasser zu schaffen. 200 Flugstunden in weniger als 2 Monaten und mehr als 20.000 Streckenkilometer - der Schnitt also über 100 km/h.


Der ein oder andere hat schon die Stirn gerunzelt. Es erschien ein wenig gewagt, einen gerade mal 3 Monate alten Flieger - zudem erst die zweite "M" - um die halbe Welt zu schicken. Afrika ist ja nicht nur weit weg. Was wäre, wenn es technische Probleme gäbe? Noch am „Vorabend“ der Containerbeladung war das Notlaufsystem eingebaut worden. Also alles noch sehr neu und letztlich nur begrenzt erprobt.

Ich selbst war aber doch gelassen, auch wenn die letzte Entscheidung für Bitterwasser an der vorhandenen F-Schlepp-Möglichkeit lag.

Erfahrungen mit dem Vorserienstand von neuen Flugzeugen hatten wir schon gesammelt. Die DG-600M hatten wir 1990 „miterprobt“ und die DG-800B sogar eine Saison ohne Motor geflogen, bis dieser dann verfügbar war. Und mit Werkzeug können wir umgehen! Was also sollte unserem Spaß im Wege stehen?

Zunächst musste  aber eine Ersatzteilliste erstellt werden, um für den Afrika Aufenthalt gerüstet zu sein; Staub und Hitze sind schließlich nicht ganz ohne. Was also wird benötigt, worauf kann verzichtet werden? Die ersten drei Monate des Fliegerlebens - wir hatten in der Zeit 170h geflogen - gaben da keine Hinweise. Wir mussten keine Teile tauschen! Ein gelöster  Stecker war unser größtes Problem.

Als ich Frank Götze bei DG die Liste geben wollte, winkte er nur kurz ab und teilte mir mit, dass Wilhelm Dirks bereits die Zusammenstellung einer Ersatzteilkiste veranlasst hatte - als DG Service!  Eine Wasserpumpe haben wir dann tatsächlich auch gebraucht.

Natürlich waren wir gespannt, wie sich das Flugzeug unter den extremen Bedingungen bewähren würde. Start in 1.250m Höhe bei 40 Grad Hitze! Während nämlich unser Tom, der als erster nach Namibia flog, ein Frühstarter und Langflieger ist, sind wir anderen vor dem Start erstmal ein Stündchen im Pool. Und wenn man erst um 13:30 Uhr startet, ist es halt ziemlich heiß. Reicht mit der DG-1001M dann aber immer noch, um mit 133km/h um ein 700er Dreieck zu fliegen!

Für die 1001 M sind die Bedingungen in Bitterwasser übrigens kein Problem. Selbst auf den „kurzen“ Bahnen waren die Sicherheitsreserven für einen Startabbruch mehr als ausreichend. Am Pfannenrand hatten wir immer mindestens 150m Höhe. So waren auch unsere ungeübteren Piloten beim Start angemessen entspannt.

Ansonsten waren unsere Flüge bis 960km Länge, (da ist unsere bequeme Spaßfliegerei halt nicht ganz so werbewirksam!) ein einziger fliegerischer Hochgenuss. Insbesondere die Strecken entlang der Namib beeindruckten nicht nur die Afrika-Neulinge.

Nur eines blieb uns in diesem Jahr noch verwehrt. Der Wandersegelflug durchs gesamte südliche Afrika. Mit dem „permit to fly“ war uns der Aufwand dann doch zu groß.

Den Umstieg von der DG-1000S auf die "M" haben wir als Verein gerade auch deshalb realisiert, um neben der Startmöglichkeit in der Woche, von Hängertouren unabhängigen Wandersegelflug betreiben zu können.

 

Fast 500 Flugstunden mit der DG-1001M in weniger als einem Jahr läßt nur eine Aussage zu:

Es war die richtige Entscheidung.

Man könnte mit der DG-1001M wirklich noch viel mehr machen, wenn nicht immer "diese Arbeiterei" dazwischen käme!

Bestellt den Leuten bei DG schöne Grüße und: "GUT GEMACHT!"

Mario  Wichmann „Q2“


Technische Daten der DG-1001M

 

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