Endlich ist es soweit! Wir stehen auf der Rollbahn zur Piste 06. Der neue Flieger, unsere DG 10001M, Werk-Nr.2, die erste Kundenmaschine, ist gründlich gecheckt. Ich steuere den Flieger von hinten. Radbremse feststellen, so sind beide Hände frei, Zündung ein, Gas ganz raus und starten. Der Motor startet sofort, die Elektronik funktioniert. Ich prüfe die Systeme, insbesondere beide Zündkreise und melde uns bei "Info" an. Vor mir sitzt Jörg. Die 1000 kennt er schon, wir hatten 6 Jahre eine „S“. Als „Klapptriebwerkler“ hat er aber bisher nur KIWI geflogen.
Bei der Startabbruchbesprechung legen wir für die Umkehrkurve die Mindesthöhe auf 90m, bei einer Fahrt von 110 km/h fest.
Beim Rollen auf die Bahn erläutere ich Jörg, warum man erst nach exakter Ausrichtung beschleunigt. Die Fliehkraft hat schon mehr als einen Fliegerkameraden von der Bahn gefegt. Aber während ich spreche, merke ich schon den Unterschied zu den anderen Eigenstartern mit lenkbarem Spornrad. Keine Tendenz zum Übersteuern, exakte Führung, der Flieger rollt auf die Bahn als hätte er ein Bugfahrwerk.
Ich gebe Vollgas. Soweit Wind weht, weht er von der Seite. Wir beschleunigen anfangs spürbar langsamer als mit unserer DG-800B. 745kg, unser aktuelles Abfluggewicht, wollen halt angeschoben werden. An der auf der 06 versetzten Schwelle heben wir ab. Das sind gerade mal 200m Rollstrecke. Und das bei 600m Platzhöhe. Wir sind mehr als zufrieden.
Mit 95 km/h geht es nach oben, das Vario zeigt um die 3m Steigen.
Für uns ist es eine wichtige Frage, weshalb sind wir vor Jahren beim Einsitzer von der DG-600M auf die DG-800B umgestiegen: "Ist die Steigleistung ausreichend, um beim Startabbruch entweder geradeaus oder nach sicherer Umkehrkurve auf dem Flugplatz zu landen?"
Auch das kein Problem! Am Ende des Platzes haben wir, ohne Gegenwind, ca. 140m Höhe. Das ist komfortabler als wir das erhofft hatten.
Der Rest ist "DG Routine", oder doch nicht ganz. In 300m fährt nach kurzem Knopfdruck das Fahrwerk ein. Das ist genial. Der Motor ist deutlich leiser und laufruhiger als bei den alten Modellen. Liegt wohl an der neuen Motoraufhängung.
In 600m Höhe - wir sind an der Basis - legen wir den Motor still, Zündung aus und den Rest relaxt mit kurzen Blicken im Spiegel überprüfen!
Der Segelflug kann losgehen. Das aktuelle Gewicht haben wir mit der DG-1000S nur mit Wasser erreicht. Und bei 600m Basis mit unter 1m Steigen hätten wir früher kein Wasser getankt. Doch jetzt stellen wir fest, wir steigen nicht schlechter als die anderen. In der ruhigen Thermik reichen schon 90km/h. Bei knackiger Thermik ist der Flieger ohnehin leicht zu fliegen. Bei 80km/h werden die Ruder weich, bei 70km/h folgt das Flugzeug immer noch sowohl dem Quer- als auch dem Seitenruder. Weit unter 70 - nach Fahrtmesser eher an der 60er Marke - nickt die 1001 leicht nach vorn. Harmloser geht es wohl nicht. Wir sind rundum zufrieden.
Für unseren kleinen Verein war die Umstellung des letzten Fliegers auf Eigenstart durchaus eine große Herausforderung. Aber die Aussicht, künftig alle Flieger problemlos in der Woche, beim Wandersegelflug oder an Urlaubsorten ohne Fremdstartmöglichkeit in die Luft zu bekommen, hat manche Kräfte freigemacht.
Zudem bietet die DG 1001M Leistung und Handling, die sowohl unseren erfahrenen Leistungsfliegern als auch unseren eher unerfahrenen Wenigfliegern das volle Flugvergnügen bietet. Wir werden von der weiteren „Erprobung“ berichten.
Viele Grüße auch an das gesamte Team
Mario
PS:
Jetzt haben wir den Flieger fast 2 Wochen. Trotz des unfliegbaren Wetters vom letzten Wochenende haben wir jetzt schon 6 Starts und 24h geflogen; und das ohne Urlaub! Genauso haben wir uns das gedacht.
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